Stell dir den Lernprozess als eine Reise auf einem oft verwinkelten und komplexen Pfad vor. Während einige Abschnitte der Reise leicht zu bewältigen sind, gibt es unvermeidlich Hindernisse, Umwege und Kreuzungen. Ohne richtige Orientierung könnte man leicht vom Weg abkommen oder sich sogar verlaufen. Im Bildungsbereich dient Feedback als Kompass – ein Mechanismus, der Lernenden hilft, ihren Standort zu bestimmen und klare Anweisungen für den nächsten Schritt zu erhalten. Feedback informiert sie darüber, wo sie stehen und wie sie ihr Ziel erreichen können. Allgemein ist Feedback die zielgerichtete Rückmeldung, die von einer externen Quelle stammt und Informationen über die Qualität oder Wirksamkeit einer Leistung oder eines Verhaltens. Es ermöglicht eine reflektierte Bewertung des aktuellen Zustands und dient als Orientierungshilfe für zukünftige Verbesserungen. Indem es den Ist-Zustand mit den gewünschten Zielen verbindet, fördert Feedback kontinuierliches Wachstum und Anpassung in vielfältigen Bereichen – sei es im beruflichen, persönlichen oder sozialen Kontext.
Kluger & DeNisi haben 1996 eine der berühmtesten Meta-Analysen zu Feedback veröffentlicht. Sie haben 131 Studien mit über 12.000 Personen ausgewertet und gefragt: Verbessert Feedback die Leistung insgesamt? Ergebnis: Im Durchschnitt ja – mit einer mittleren Effektstärke von ungefähr 0,4 Standardabweichungen.
Aber:
Die zentrale Frage ist deshalb nicht:
„Gebe ich genug Feedback?“
sondern:
„Wohin lenkt mein Feedback die Aufmerksamkeit der Lernenden? Auf die Aufgabe? Den Lernweg? Oder auf die Person?“
Kluger & DeNisi erklären mit ihrer Feedback Intervention Theory, warum bestimmte Arten von Rückmeldung so gefährlich sind. Feedback kann unsere Aufmerksamkeit auf drei Ebenen lenken:
Je höher die Ebene (also je näher an „Was sagt das über mich als Mensch?“), desto größer die Gefahr, dass Emotionen übernehmen und kognitive Ressourcen flöten gehen.
Deshalb:
…sind aus Forschungssicht eher Kandidaten für die Mottenkiste als für den Methodenkoffer.
Sie lenken den Fokus weg von der Frage „Was genau kann ich beim nächsten Mal anders machen?“ hin zu „Wie wirke ich?“ – und genau dann steigen die Chancen für Vermeidung, Abwehr und „Ich kann das eh nicht“.
Hattie & Timperley unterscheiden vier Ebenen von Feedback, die sich schön in die Weg-Metapher übersetzen lassen.
Die Forschungslage ist ziemlich eindeutig:
Oder in Wander-Sprache:
Hilfreich ist alles, was sagt: „Schau mal, der nächste Trittstein liegt dort.“
Weniger hilfreich ist: „Du bist ein Naturtalent.“ oder „Du bist halt tollpatschig.“ – davon wird der Weg nicht breiter.
Fassen wir einmal zusammen, was sich aus den großen Studien von Kluger & DeNisi, Hattie & Timperley, und weiterer Forschung zu Schülerfeedback ableiten lässt:
1. Fokus auf Aufgabe, Prozess und Selbstregulation
2. Klarheit über das Ziel und die Kriterien
Feedback ohne Ziel ist wie ein Wegweiser ohne Ortsnamen.
Lernende brauchen:
3. Rechtzeitig und in Schleifen
Studien zeigen: Wiederholtes Feedback mit mehreren Rückmeldeschleifen ist wirksamer als ein einziges großes Feedback am Ende.
Das heißt:
4. Daten statt Bauchgefühl – andere Perspektiven nutzen
Erhebe Daten, wo die Schülerinnen und Schüler wirklich auf ihrem Lernweg stehen, so kannst du wirklich lernförderliches Feedback geben. Mehr dazu erfährst du im Blogartikel zum Thema "Formative assesment.
Wenn du Feedback so nutzt, wird aus dem manchmal chaotischen Lernweg der Schüler*innen, ein Lernweg mit erkennbaren Etappen, Aussichtspunkten und gut markierten Abzweigungen. Schüler*innen, die das Ziel trotzdem nicht erreichen, lassen sich nicht ganz verhindern – aber es werden garantiert weniger.
Interessant ist übrigens, dass wir Lehrkräfte ständig Feedback geben, aber nur selten welches einholen:
In einer großen Studie zur Lehrerkooperation in Deutschland geben deutlich weniger als ein Drittel der Lehrkräfte an, regelmäßig Schülerfeedback zum eigenen Unterricht einzuholen oder bei Kolleg*innen zu hospitieren – die meisten tun das maximal selten oder nie.
Und weil Feedback laut Forschung am wirksamsten ist, wenn es regelmäßig, strukturiert und sachlich erfolgt, bietet UnterrichtsCheck genau diese Form: schnelle Umsetzung, klare Items, offene Rückmeldungen, vollständige Anonymität und eine Auswertung, die sich auf die Qualität des Unterrichts konzentriert – nicht auf deine Person.
Quellen
26th November, 2025
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