Stell dir vor, du stehst als Kapitän auf dem Deck deines Schiffes. Das Meer ist ruhig, die Segel stehen gut, die Mannschaft arbeitet, der Kurs scheint zu stimmen. Du steuerst mit Erfahrung, Intuition und einem guten Gefühl für Wind und Wellen. Doch selbst der beste Kapitän schaut nicht nur einmal am Anfang der Reise auf den Kompass. Ohne regelmäßigen Kurscheck wäre jede Fahrt am Ende ein Glücksspiel.
Im Unterricht passiert etwas Erstaunliches: Wir Lehrkräfte geben ständig Rückmeldungen an die Lernenden, aber wir selbst holen uns diese Orientierung nur selten. Die Forschung zeigt ein Muster, das fast schon paradox ist: Während Feedback an Schülerinnen und Schüler praktisch ununterbrochen stattfindet (wenn auch nicht immer lernförderlich), holen weniger als ein Drittel der Lehrkräfte regelmäßig Schülerinnen- und Schülerfeedback ein. Die meisten tun es „selten oder nie“, wie Gärtner in einer großen Studie schon 2012 feststellte. Schüler*innen sind unsere einzigen "Kunden" und diese werden quasi nie zu unserer Dienstleistung befragt. In manchen Erhebungen liegt der Anteil derjenigen, die wirklich systematisch Schülerfeedback einholen, sogar bei etwa zwei Prozent.
Dabei zeigen gerade die neuesten wissenschaftlichen Befunde, wie groß der Gewinn wäre. Die neue Meta-Analyse von Sebastian Röhl und Kolleg*innen, die 2025 veröffentlicht wurde, hat Daten aus 23 Studien mit 314 Effektstärken ausgewertet. Und sie kommt zu einem klaren Ergebnis: Schülerfeedback wirkt.
Doch Röhl zeigt nicht nur, dass Schülerfeedback wirkt, sondern auch, warum es in der Praxis so selten genutzt wird. Lehrkräfte benötigen Unterstützung, um diese Daten überhaupt sinnvoll zu interpretieren. Das ist nicht mangelnde Professionalität, sondern menschlich. Feedback berührt immer auch das Selbstbild, gerade im Berufsfeld Unterricht, das so eng mit der eigenen Person verknüpft ist. Ein kritisches Item über Struktur, Tempo, Erklärungen oder Beziehungsgestaltung fühlt sich schnell wie ein Urteil über die eigene Persönlichkeit an. Dazu kommt die schiere Datenflut: Wer von 28 Schülerinnen und Schülern jeweils 20 Items einsammelt, hat danach 560 Datenpunkte, aber oft keine Idee, was davon nun Priorität haben sollte.
Genau hier zeigt die Meta-Analyse etwas sehr Wichtiges: Schülerfeedback entfaltet seine größte Wirkung, wenn Lehrkräfte beim Deuten der Rückmeldungen unterstützt werden und wenn sie die Ergebnisse anschließend mit den Schülerinnen und Schülern besprechen. Das eröffnet plötzlich einen ganz anderen Raum: Die Klasse versteht, warum die Rückmeldung wichtig ist. Die Lehrperson versteht, was gemeint ist und wo es konkrete Ansatzpunkte gibt. Missverständnisse werden ausgeräumt, Erwartungen geklärt, und Unterricht entwickelt sich nicht mehr „gegen“ die Lerngruppe, sondern gemeinsam mit ihr. Röhl beschreibt in seiner Forschung das sogenannte SFT-Modell: Informationen einholen, verstehen, akzeptieren, in Ziele übersetzen und schließlich in Verhalten überführen. Erst wenn all diese Schritte stattfinden, hat Feedback das Potenzial, Unterricht tatsächlich zu verbessern.
In der Realität scheitern viele Lehrkräfte aber bereits an den ersten beiden Schritten: dem Einholen und dem Verstehen. Genau deshalb wird Schülerfeedback im Alltag kaum genutzt. Nicht, weil es unwichtig wäre, sondern weil es organisatorisch, emotional und zeitlich schwer zu bewältigen ist.
Und genau hier setzt UnterrichtsCheck an. Die Hürde, sich Rückmeldung zu holen, wird sehr niedrig: Ein QR-Code oder ein Link, sechs kurze Items und eine offene Frage durch die Schüler*innen beantworten lassen und in weniger als drei Minuten ist der Check abgeschlossen. Was vorher ein Ordner voller Papier war, ist jetzt eine präzise Momentaufnahme der Klassensicht. Und statt in langen Zahlenkolonnen zu ertrinken, bekommen Lehrkräfte eine KI-gestützte Auswertung, die ihnen zeigt, was wirklich zählt: Wo liegen konkrete Stärken? Welche Muster tauchen in den offenen Antworten auf? Welche Stellschrauben könnten sofort Wirkung entfalten? Alles verständlich, ohne Statistikvokabular, ohne dass man sich den Kopf darüber zerbrechen muss, welche Information nun wie gewichtet werden muss.
Doch nach dem Feedback folgt das Gespräch. Unere KI ist speziell gepromtpet, um Feedback zur Unterrichtsqualität zu geben. Aber du musst auch das KI-Feedback kritisch hinterfragen und gegebenenfalls auch mal über die Ergebnisse mit Kolleg*innen sprechen. Röhls Metastudie zeigt zudem, dass Feedback dann am effektivsten ist, wenn Lehrkräfte es mit der Klasse besprechen und in gemeinsame Veränderungsschritte überführen. UnterrichtsCheck wird auch diesen Teil künftig noch stärker unterstützen – etwa durch Gesprächsimpulse, Fortbildungsmodulen und Hinweisen darauf, welche Aspekte sich besonders für eine gemeinsame Diskussion eignen. Damit Feedback nicht nur Daten liefert, sondern ein Gespräch eröffnet.
Wenn man all das zusammenführt, entsteht ein Bild, das erstaunlich beruhigt: Feedbackkultur verlangt keine großen Reformprojekte und keinen bürokratischen Kraftakt. Sie beginnt im Kleinen – dort, wo Lehrkräfteregelmäßig Feedback einholen, mit Unterstützung auswerten und mit ihren Klassen und mit Kolleg*innen ins Gespräch kommen.
So wird Schülerfeedback nicht zur Zusatzaufgabe, sondern zu dem, was es sein sollte: unserem Navigationssystem. Ein Kompass, der uns zeigt, ob wir noch auf Kurs sind.
Literatur
Gärtner, H. (2012): Wirksamkeit von Schülerfeedback als Instrument der Selbstevaluation von Unterricht. Die Deutsche Schule, 102(2), 163–175.
Röhl, S.; Bijlsma, H.; Schwichow, M. (2025): Can feedback from students to teachers improve different dimensions of teaching quality in primary and secondary education? A hierarchical meta-analysis. Educational Assessment, Evaluation and Accountability, 37, 35–71.
König, J.; McElvany, N.; Röhl, S. (Hrsg.) (2025): Feedback on Teaching in Schools. International Perspectives and Evidence-based Insights. Springer.
26th November, 2025
25th November, 2025
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